Naturschutzgebiet "Greifswalder Oie"

Lage und Größe

Die Greifswalder Oie, auch als "Helgoland der Ostsee" bezeichnet, ist eine 54 ha große Insel, die etwa 12 km nördlich von Usedom und 10 km östlich von Rügen in der Pommerschen Bucht liegt. Sie hat eine Länge von 1.550 m und ist zwischen 370 und 570 m breit. Die höchste Erhebung liegt am Kliff auf der Ostseite der Insel und misst 17 m. Die Größe des Naturschutzgebietes beträgt 250 ha und schließt neben der Insel das im Südwesten vorgelagerte Oier Riff und die Wasserflächen im Bereich der 2m-Tiefenlinie ein.


Geologie und Morphologie

Die Greifswalder Oie ist der Rest eines sonst nur submarin vorhandenen Moränenrückens und verdankt ihre Form und Gestalt dem letzten Vorstoß der eiszeitlichen Gletscher und dem Einfluss des Meeres. Dass die Insel ursprünglich größer war, zeigt das 3 km lange Riff an der Südwestseite, das bei Niedrigwasser mit herausragenden Steinblöcken sichtbar wird.


Geschichte der Insel

Seit etwa dem 13. Jahrhundert wurde die Insel von den Bewohnern landwirtschaftlich genutzt. Der Fremdenverkehr entwickelte sich Anfangs des 20. Jahrhunderts und erreichte mit dem Ausbau des Inselhofs zu einer Pension in den 1930er Jahren den Höhepunkt. Ab 1937 wurde die Insel von der Heeresversuchsanstalt Peenemünde und nach dem Abzug der sowjetischen Besatzung 1950 von der Volksmarine genutzt. 1990 wurde die Greifswalder Oie als Naturschutzgebiet festgesetzt. Seit dem 01.08.1993 wird die Insel durch den Verein Jordsand betreut, die 1994 von Bundes- in Landeseigentum überging. Am 20.02.1995 wurde dann eine Schutzgebietsverordnung für das 250 ha große Gebiet erlassen und damit der Weg für einen zielgerichteten Schutz der artenreichen Pflanzen- und Tierwelt, allem voran für die Vielzahl der Rast- und Brutvögel, geebnet.


Schutzzweck

Der Schutzzweck ist die Erhaltung der landschaftlich außerordentlich reizvollen und mit vielen geologischen Besonderheiten ausgestatteten Insel und des Oier Riffs. So ist z.B. dem Kliff an der Südkante der Insel eine nach Anzahl, Größe und geologischer Mannigfaltigkeit einmalige Bestreuung mit erratischen Blöcken vorgelagert. Darüber hinaus dient das Gebiet der Dokumentation einer jahrzehntelangen ungestörten Entwicklung der Flora und Fauna. Von großer Bedeutung ist hierbei u.a. die Erhaltung der artenreichen Strandvegetation, des östlichen Vorkommens der Stechpalme und der Eichen-Haibuchenwald auf der Südseite als Zeuge früherer Nutzungsformen (Waldweide, Niederwaldwirtschaft). Das Naturschutzgebiet ist Rast- und Nahrungsgebiet einer Vielzahl von Wasservögeln und stellt einen bedeutenden Trittstein rastender Zugvögel dar.


Wissenschaftliche Aufgaben

Als einzige der Küste vorgelagerte Insel in der süd-östlichen Ostsee hat die Greifswalder Oie eine besondere Bedeutung für den Vogelzug. Dementsprechend gehört die Erforschung des Vogelzuges im südlichen Ostseeraum zur wichtigsten Aufgabe des Verein Jordsand. Die Insel ist Bestandteil eines Beringernetzes aus 30 Stationen zwischen Skandinavien und Westafrika im Rahmen eines internationalen Forschungsprogrammes. Hier werden im Mittel ca. 20.000 Vögel pro Jahr beringt. Seit dem Beginn 1994 wurden bis 2002 insgesamt 150.000 Individuen von 140 Vogelarten beringt. Der Landesverband der Imker Mecklenburg-Vorpommern e.V. unterhält auf der Insel eine Bienenbelegstelle zur Züchtung von Königinnen.


Flora und Fauna

Neben der überragenden Bedeutung der Greifswalder Oie für den Vogelzug stellt das Naturschutzgebiet ein international bedeutendes Rastgebiet für Wasservögel, zB. für die Eisente dar. Alljährlich brüten auf der Insel ca. 50 Vogelarten. Im Jahr 2003 konnte der erste Brutnachweis des Grünlaubsängers für Mecklenburg-Vorpommern erbracht werden. Insgesamt wurden bisher mehr als 200 Vogelarten - bedingt durch die exponierte Lage - beobachtet. Neben den Vögeln kommen noch Amphibien und Reptilien, z.B. Ringelnatter, Waldeidechse und wenige Säugetiere, wie Fuchs und Siebenschläfer vor. Bei geschlossener Eisdecke bis zum Festland kann auch ein Reh- und Schwarzwild die Insel erreichen. Unregelmäßig werden Kegelrobben und Seehunde um den Flachwasserbereich beobachtet. Nach über 40jähriger Nutzungseinstellung prägt heute eine Hochstaudenflur die Insel. Die Waldfläche nimmt ca. 1/3 der Inselfläche ein. Kulturhistorisch bemerkenswert ist der Eichen-Hainbuchwald, der früher als Waldweide und zur Gewinnung von Brennholz und Flechtmaterial genutzt und seit Jahrzehnten von einer forstlichen Nutzung verschont wurde. hier sind auch seltene Orchideen, wie das Mannsknabenkraut zu finden. Das Offenland wird geprägt und gras- und staudenreiche Vegetation, in die zahlreiche Sträucher, z.B. Weißdorn, Holunder, Brombeere, eingestreut sind. An den offenen Strandbereichen sind Bestände von Strand-Salzmiere, Stranddistel und Meerstrandkohl zu finden.


Öffentliche Nutzung

Um den Schutz des Naturschutzgebietes mit seiner faszinierenden Pflanzen- und Tierwelt in ausreichendem Umfang (v.a. vor Störung) gewährleisen zu können, ist die Greifswalder Oie nicht überall frei zugänglich. So ist der Hafen ein Nothafen und seine Nutzung nur im Not- und Havariesituationen, sowie bei widrigen Witterungsverhältnissen gestattet. Weiterhin befinden sich auf der Insel keine öffentlichen Einrichtungen wie z.B. Sanitäranlangen, Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Touristen und Besucher haben dennoch die Möglichkeit die einmalige Schönheit der Greifswalder Oie während eines zweistündigen Rundgangs auf einem ausgewiesenen Rundwanderweg und im Informationszentrum zu erleben. Führungen mit interessanten Einblicken in die Flora und Fauna der Insel werden vom Info-Zentrum der "Biologischen Station Walter-Banzaf" aus angeboten. Zu erreichen ist die Greifswalder Oie in der Saison (Juli - August) täglich, außerhalb der Saison eingeschränkt mit einem Fahrgastschiff von Peenemünde aus.

Abriss der Greifswalder Oie (Landkarte)